Narrenmarsch

Das nachfolgende Lied stammt aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Verfasser und Komponist des Liedes sind heute nicht mehr bekannt. Die Melodie (hier steht als Bemerkung händisch 1937 Jung) wurde von Hans Hartwig, Musikkapellmeister der Gengenbacher Stadtkapelle in seinen in den 50er Jahren komponierten Gengenbacher Narrenmarsch eingebaut. Dadurch hat sich die Melodie des Liedes bis zum heutigen Tage erhalten, während der Text dazu im allgemeinen nicht mehr bekannt ist bzw. nur noch wenige Eingeweihte wissen davon. Aus diesem Grunde wurde der Ewerderfler Narrenmarsch in seinen Strophen und deren Bedeutung hier niedergeschrieben, um ihn vor der Vergessenheit zu bewahren. Möge der Text und die Melodie dieses Liedes all denjenigen, die noch verstehen, Fasend zu feiern, weiterhin über die Fasendzeit -die höchsten Feiertage im Jahr- viel Freude bereiten.

 

Liedstrophe(n)

Die Erklärung

Im Ewerdorf, do wohnt ä Mann, tschingdara - bumdara, der wird der schlaue Sepp genannt, tschingdara - di bum! Schuhmacher Isenmann Sepp nahm sich als "freier Unternehmer" regelmäßig des Montags die Freiheit, "blau" zu machen. Dadurch konnten die Schuhreparaturen des öfteren nicht pünktlich ausgeführt werden, wofür er sich mit allen möglichen Ausreden vor der Kundschaft zu rechtfertigen suchte.

Im Ewerdorf, do wohnt ä Mann, tschingdara - bumdara, do het die Frau die Hosen an, tschingdara - di bum! Emanzipation im Ewerdorf! Da hatten die Weiber schon immer mehr zu sagen, als anderswo!

Uff de eine Sitt henn d' Wieber recht, tschingdara - bumdara, uff de andre Sitt kei Mann ä Recht!, tschingdara - di bum! Höchst philosophische Weisheit und häufig gebrauchter Ausspruch des Ewerderfler Ureinwohners, Feldhüters und Hausmetzgers Valentin Lehman (gestorben 1943) in Ergänzung und Anknüpfung an die 2. (Kata)-stophe!

Im Ewerdorf, do steht ä Huus tschingdara - bumdara, do streckt ä Mann si Fiedle nus, tschingdara - di bum! Welch derbe Person das Götz-Zitat hier in praktischer Form zuerst durchführte ist heute nicht mehr bekannt. Bekannt ist jedoch, daß das allseits bekannte Gengenbacher Original Fridolin Schrempp auf diese Weise einem ihm selbst unliebsamen Kirchgänger an einem Sonntagmorgen seine Abneigung gegen ihn kund tat.

Da nahm Sie eine Gullerfeder, tschingdara - bumdara, un streicht demit sein Hinterleder, tschingdara - di bum! In Bezug auf vorgenanntes Ereignis ist bekannt, daß der Beleidiger für seine Missetat von seiner "Alten" den Arsch vollgehauen bekam. Wobei die empörte Gattin wohl einen geeigneteren Gegenstand als eine Gullerfeder hierfür ausgewählt haben dürfte.

Des isch nit suver un kei Art, tschingdara - bumdara, wenn eim de Aff im Gsicht rum fahrt, tschingdara - di bum! Barbier Engler hielt sich in seinem Geschäft ein Äffchen als Haustier. Wurde dieses niedliche Tierchen einmal vom Übermut gepackt, so sprang es die zur Rasur eingeseiften Kunden an und schmierte selbigen die Rasierseife im Gesicht herum, welches denselben wohl nicht angenehm war.

Gengenbach, den 21. März 1985